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Citroen DS3 – mit der Kraftkugel auf den firebreak

De-Esse, so spricht sich die Bezeichnung auf dem Heck des kleinen, roten Energiebündels aus, bedeutet eigentlich Göttin und hatte in ihrer Erstverwendung auch einen ganz anderen Sinn als das runenhafte Typen-Logo, unter dem ihn jetzt Citroen wieder nostalgisch aufleben lassen will. Vor gefühlten hundert Jahren nämlich musste Citroen gezwungenermaßen einen Quantensprung machen, um vom Mafia-Auto von Alain Delon und Konsorten wegzukommen und nicht im Bankrott zu landen. Damals entstand die dem gemeinen Automobilbau um Welten vorauseilende hydropneumatische Federung bei André Citroens Nachfolgern, die dann auch gleich in ein ausgesprochen futuristisches Auto eingebaut wurde. Das Auto hörte auf die Bezeichnung ID 19, ausgesprochen Idee disnöf, war tatsächlich die Idee des Jahrhunderts und rettete – zumindest vorläufig – die französische Legende Citroen vor dem Aus. Aufbauend auf dem Erfolg der Idee (ID) entstand eine großvolumiger mit 2,1-Liter-Motor ausgestattete und komfortablere Schwester für die Crème der französischen Politik – und erhielt die Bezeichnung DS, ausgesprochen De-Esse, die Göttin, die fortan französische Haute Volé transportierte und gleich noch alles, was dem gleich tun wollte.

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Tatsächlich fuhr sich die DS 21 auch göttlich. Der leistungsstarke 2,1-Liter-Motor im Leichtbaukonzept entwickelte mehr Kraft als der 220er von Mercedes, damals das Maß aller Dinge der Oberklasse, sieht man mal von den Luxuskarossen des 300er-Benz ab, mit denen Adenauer seinen Freund Charles de Gaulle über die Stuttgarter Königsstraße chauffieren ließ. Dass dazu dann auch noch die neumodische Luftfederung es schaffte, der DS Bodenfreiheit von 6 bis 15 cm zu verschaffen, hielten alle Ingenieure der Wettbewerber für dermaßen übertrieben oder abgehoben, dass sie nur Zweifel an diesem Konzept streuten (anstatt es – wie fast fünfzig Jahre später – ins Angebot der Luxus-Extras aufzunehmen).

Fahrt man nach dieser Vorrede eine 2011er DS, fällt  einem als Synonym für diese beiden Buchstaben nur dur, ausgesprochen düür, ein und sportif, also hart und sportlich. Wobei hart noch geschmeichelt ist und sportif zwar für die gezähmte Straßenversion gelten kann, nicht aber für die Rallye-Basis-Version, die jedem brüllend davonfährt.

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Aber die DS normal reicht schon aus, die jungen wilden Buben in ihren Polo GTIs oder ähnlichen zu verschrecken. Kommt sie dann auch noch in schlichter Bemalung daher anstatt in grellrot oder quittegelb, ist das Understatement perfekt. Da kann man dann schon mal neben den Ein- und Zweitonnern der deutschen Performance-Marken einen neuen Rekord in den Autobahn-Asphalt brennen und den SUVs mit ihren Schiffsmotoren-Drehmomenten einfach da-vonwuseln. Eben nur mit hohen Drehzahlen, schnellen Gangwechseln und dem breiten rechten Schuh auf Bremse und Gas gleichzeitig. Man sieht, die neue DS macht Spaß wie eine Göttin der Rallyestrecken es auch tun muss. Dem Fahrer genauso wie dem Hersteller. Da muss man dann nicht mehr über Leistungsdaten und Ausstattungsdetails reden. Reinsetzen, wohlfühlen, Gas geben und Gänsehaut am Rücken spüren. Das sind die Emotionen, mit denen sich solche Energy-Kugeln verkaufen lassen.       
Auch ohne Luftfederung.   

Die firebreaks allerdings, die vor allem bei englischen und skandinavischen Rallyes gefürchteten weiten Waldweg-Kreuzungen im Nirgendwo, die sich immer auf Kuppen befinden und bei denen man nie weiß, wo’s oben dann weitergeht, die überfliegt man mit der neuen Rallye-Kugel viel eher und viel rallyemäßiger als mit der legendären luftgefederten Göttin von Citroen.

mpp

Die wichtigsten Daten des Citroen DS3
  • Länge x Breite x Höhe: 3.948x 1.715x 1.458 mm
  • Radstand: 2.452 mm
  • Leergewicht: 1240 kg
  • Zuladung: 357 kg
  • Kofferraum: 285 l
  • Tankinhalt: 45 l
  • Vierzylinder-Benziner mit Turboaufladung, 1598 ccm
  • Leistung: 115 kW /156 PS bei 6000 U/min
  • Max. Drehmoment: 240 Nm bei 1.400 U/min
  • Getriebe: Sechsgang-Schaltung
  • Räder/Bereifung: 7J x 17 / 205/45 R 17
  • Beschleunigung auf 100: 7,3 Sekunden
  • Höchstgeschwindigkeit: 214 km/h
  • EU-Normverbrauch im Mittel 6,7 l , Testverbrauch 8,0 l
  • Abgasnorm Euro 5,
  • CO2 Ausstoß: 155 g/km

Stand: 4/2011

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