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BMW Z4 – Pur-Sportler mit Handtäschle

Ehrlich, meine Frau und ich wollten den Z4 eigentlich nur fahren, um auszuprobieren, ober er uns auch für einen Zweitflieger taugt. Tut er nicht, leider. Man kann zwar unter der Kofferklappe zwei Wasserkästen verstauen und dahinter auch noch eine gefüllte Einkaufstasche. Aber dann geht das Dach nicht mehr unter diese Klappe. Schade. Und wenn man ein Sommerwochenende im Cabrio geniessen will, muß man sich auf Notwendigkeiten wie Zahn- und Haarbürste und solche Sachen beschränken. Zweite Hose, schicke Bluse und Hemd, da wird’s schon eng. Ganz eng wird’s auch im Cockpit, da passen nicht mal meine langen Beine bequem rein. Dafür am Getriebetunnel im Netz auf der Beifahrerseite eine Literflasche Wasser. Will man sie griffbereit deponieren, muß man sich mit einer Halbliterflasche begnügen und die Armlehnklappe steht dann auch auf.

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Zweitflieger?

Soviel zum Komfort, den man allerdings in einem solchen puristischen Sportwagen auch nicht suchen sollte. Der Z4 S-drive 30i wurde gebaut für schiere Leistung und dazu passendem Fahrwerk. Daß ihm die BMW-Designer eine äusserst attraktive, schnittige Karosserie drumrum gestylt haben, macht den Renner zwar superchic, ändert aber nichts an seinem Anspruch: Leistung brutal und ganz dicht auf der Straße.

Und so will es der Z4-Fahrer denn eigentlich auch. Die Karosserie als zweite Haut um Fahrwerk, Motor und Fahrer. Wer braucht in so einem Auto unbedingt einen Beifahrer... Und dann so gefahren, dass der Z4 riesig Spaß macht. Dabei für einen Dreiliter-Einspritzer mit rund 10 Litern auch bei scharfer Fahrt für seine Kategorie ungewöhnlich wenig verbraucht, für BMW aber adäquat. Haben sich doch die Weißblauen die ökologische Ökonomie auf ihren Banner geschrieben. Recht so, auch mit so einer Rennflunder soll man Herrn Schäuble ärgern dürfen. Noch mehr freuen würde ich mich über das Gesicht nimmersatter Finanzbeamter aber, würde BMW den Z4 auch mit einem starken Dieselmotor ausstatten. Daß die mit ihren enormen Drehmomenten heutzutage, ihren Literleistungen und erst recht den schottischen Verbräuchen auch im Renntrimm keine Vergleiche scheuen müssen, hat BMW schon selbst und Veredler Bovensiepen mit dem D3 schon längst bewiesen.

Versteht sich eigentlich von selbst, dass der Z4 durchgeschaltet wird. Von Hand. Auch wenn es für besonders bequeme Fahrer eine Automatik gäbe, die sicher genauso flott schaltet wie der Handwerker.

Drei Fahrwerkskennungen – elektronisch eingestellt – erlauben normale, sportliche oder supersportliche Fahrweise. Schon in der Standard-Einstellung klebt der Z4 auf der Straße. In der Sport-Einstellung macht er die Dämpfer noch ein wenig härter und verändert die Fahrdynamik in Richtung Straßensport. Angenehm hart, angenehm sicher und vom Popogefühl her auch in kritischen schnellen Kurven nicht gewöhnungsbedürftig. Die sport+ Einstellung schaltet DTC ab, Powerslide welcome. Und sonst? DSC inkl. ABS und dieser dynamischen Traktions Control, Kurvenbremshilfe, Bremsassistent, Trockenbremsfunktion, Fading-Ausgleich. So fetzt der Z4 durch Kurven, so brennt er Bestmarken in den Asphalt. Was Dieter Quester mit dem 2002tii und Harald Ertl mit dem Schnitzer-CSI auf dem Hockenheimring ersportelt haben, macht dieser Z4 heute auf – nahezu – jeder Straße. Die Zeiten ändern sich, heute fällt die Schwerstarbeit, die Quester und Ertl damals am Volant geleistet haben, dank Elektronik und Assistenzsystem ausgesprochen leicht. Bleibt nur zu hoffen, dass das im Menschen eingebaute Sicherheitsgefühl auch weiterhin mit großer Positiv-Toleranz reagiert.

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Die Klapptechnik des Blechfaltdaches jedenfalls kommt mit geringsten Toleranzen anderer Art aus. Diese Blechdächer, die sich unter den Kofferraumdeckel falten, sind Wunderwerke der Technik. Aber beim BMW funktioniert das makellos; hat ja auch lange gebraucht, bis die Bayern diese Technik so perfektioniert hatten, dass sie einem BMW stehen. Und öffnet sich dieses neue Z4-Dach nun weg, fasziniert, dass es doch ähnlich aussieht wie die Verrenkungen, die der Sportwagenfahrer der frühen Cabriolet-Zeiten mit seinem Stoffverdeck machen musste.

Genauso perfekt wie das Dach, das übrigens aus Sicherheitsgründen keine seitlich wegklappbare Sonnenblende im Frontfensterrahmen erlaubt, ist auch das immer noch von mir gern so genannte Armaturenbrett, obwohl das weder ein Brett ist noch Armaturen darauf installiert sind. Schalter, Hebel und Drehknöpfe sind alle dort, wo die Hand von alleine hinfällt, sogar das Handrad für die Fahrzeug- und Navigationsaienstellungen liegt superbequem direkt hinterm Schalthebel.

Der Motor des Z4 – hier der Dreiliter-Einspritzer – ist ein Energiebündel mit sechs Zylindern, wie man es sich eben bei einem BMW vorstellt.

Schade nur, dass man mit zunehmendem Alter auf zunehmenden Komfort nicht mehr verzichten will. Sonst wäre er wirklich unser Zweitflieger geworden, dieser Z4.

mpp

Die wichtigsten Daten des BMW Z4 S-drive 30i
  • Länge/Breite/Höhe
    4.239 / 1.790 / 1.291 mm
  • Radstand 2.496mm
  • Leergewicht 1.415kg
  • Zuladung 330 kg
  • Kofferraum 180 - 310 l
  • Motor mit sechs Zylindern in Reihe mit Direkteinspritzung und Valvetronic
  • Hubraum 2.996 ccm
  • Leistung kW/PS 190 / 258 bei 6.600 U/min,
    maximales Drehmoment 310 Nm bei 2.600 – 3.000 U/min
  • Beschleunigung auf 100 km/h 5,8 Sekunden
  • Vmax 250 km/h (abgeregelt)
  • EU-Normverbrauch im Mittel 8,5 l , Testverbrauch 10,2 l
    Tankinhalt 55 l
  • Abgasnorm Euro 5
  • CO2 Ausstoß: 199 g/km
  • Preis der Basis-Ausführung des Testwagens: 43.200 Euro
  • Preis der sonderausgestatteten TW-Ausführung: 59.690 Euro
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