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Die Gäul‘ sind los! Ford läßt die neuen Mustangs auf Europas Straßen

Frühjahrs-Regionaltour mit dem Nachfolger des vor rund 50 Jahren erstmals präsentierten Original-Mustangs
 
Am Drehzahlmesser des neuen Mustangs steht „Revolutions per minute“. Tatsächlich ist die eigentliche Revolution jedoch die Inkarnation des Ford Mustang. Und im neuen Mustang GT – gleichwohl auch im kleineren Bruder, dem 2,3l-Ecoboost – finden jede Menge Revolutionen statt, sieht man von der Wiederauferstehung des Mustangs an sich mal ab. Fragt sich nur, warum Ford das in Deutschland kurz vor Fronleichnam feierte und nicht um Himmelfahrt herum.

Und nun steht da im 15. Jahr des neuen Jahrtausends eine absolute Reminiszenz an jenes Kultauto, das in den vergangenen 50 Jahren nicht nur mehrfach besungen und bedichtet wurde, sondern das in unzähligen Filmen von genauso unzähligen Stars der
Filmszene gesteuert wurde. Man denke nur an James Bond oder „I’ll buy you a Ford Mustang von Donavan oder den Animals“  von 1967.

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Foto: Klempp

Und er Achtzylinder brüllt gleich los, als ob die 480 Gäule unter ihm brünftig seien. Aber sie wollen ja eigentlich nur singen wie die Animals. Und dann würde man auch die 524 Nm durchklingen hören, die den heutigen Mustang GT bei sattem Auspuffklang vorantreiben. Wirklich, man muß schon aufpassen, dass die Kraft auf die Räder kommt und nicht zwischen Asphalt und Reifen verglüht.

Hat man jedoch mal im Ur-Mustang gesessen, ist gleich alles klar: Der Neue kann vieles besser und wird dem Alten schon bald den Kultstatus abjagen können. Wenn Ford behauptet, daß der neue Mustang eine der besten Hinterachsen bekommen hat, die je in Dearborn entwickelt wurden, steht ihm de gleich dazu entwickelte neue Vorderachse gut zu Gesicht. Und natürlich die dazu passende gesamte Fahrwerksabstimmung, die heutzutage elektronisch geregelt  und im Fahrverhalten sogar von Pilotensitz her bestimmbar.

Pilotensitz ist der richtige Ausdruck für das Volant des Mustang 2015, auf den die Europäer ja schon seit Monaten sehnsüchtig warten. Da sitzt man hinter einem Lenkrad, das dem Kochtopf des alten ähnlich ist, aber über x Funktionen mehr verfügt. Damals, im ersten Mustang hat man mit diesem Ding nur gelenkt und sich beim Bremsen dran festgehalten. War ja auch ein Stahlring. Und die Bremsen waren halb so groß, hinten waren es – glaube ich – sowieso nur Trommelbremsen. Und die Kräfte, die bei einer Vollbremsung in der Legende auf die Arme am Lenkrad einwirkten,  waren wahrscheinlich nicht mal halb so stark wie bei der Maximalverzögerung der 418 PS heute. Donnerwetter (nein nicht Thunderbird, das war ja ein endlos langes Schiff Coupé oder Cabrio). Wie der neue Mustang brüllend vorwärts stürmt, bremst er auch brutal runter.

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Foto: Klempp

Innen sieht’s auch weitaus komfortabler aus als früher. Waren die Sitze zu James Deans Zeiten denen abgeguckt, auf denen James wirklich saß (den Porsche Spyder-Sitzen aus einer Kunststoffwanne mit dünnem Stoff-/Lederbezug, die eher den Sitzen meines 49er Topolinos glichen, auch nur Holz mit Plastik), sind es heute komfortable Recaros, die nach Wunsch auch voll-elektrisch betrieben, beheizt und für Nevada, Florida und California bestimmt auch gekühlt lieferbar sind. Oder für Deep Valley…

Vor dem Lenkrad zwei Rundinstrumente wie anno dunnemals. Mit jenem Drehzahlmesser, der Revolutionen zählt und dem Tacho, der heute allerdings bei 260 km/h endet, die aber ohne Abriegelung sicher locker überschritten würden. Vor dem Beifahrer gibt’s ein voluminöses Ablagefach, das gar nicht mehr den berühmten Handschuhfächern der 60er Jahre vor der jahrtau-sendwende entspricht. Und hinter den Vordersitzen eine komfortabel belederte Sitzbank auf der man im Gegensatz zum Ur-Mustang als Kind auch für ein paar Meilen mehr sitzen kann. Ins Cabrio, auf amerikanisch „Convertible“, also „umwandelbar“, kann man bei offenem Dach auch noch ausgewachsen einigermaßen kommod nach hinten einsteigen, wenn Fahrer und Beifahrer ein wenig näher an die Frontscheibe `ranrücken. Im Coupé, Fastback genannt, wenn`s indianisch wäre, müßte man es mit „schneller Hintern“ übersetzen,  jedoch bedarf es schon einiger Verrenkungen, allein wenn man nach dem Haken für die standesgemäße Bomberjacke sucht, die man aufhängen will. Den gibt’s jedoch nicht; Mustang fährt man standesgemäß mit Bomberjacke an.

Ich habe beide Mustangs ohne Bomberjacke gefahren und meine Jacke einfach auf die Fondbank gelegt. Im Bergischen, gleich vor Köln links, wenn man aus dem Süden kommt, geht’s rund. Nicht auf der Autobahn, sondern in den Tälern und auf den Bergen dort, auf schmalen Fitzinalsträßchen (Fitzinal ist die Verkleinerung von Kommunal, haben mein Freund Heini und ich als 14-jährige Mopedfahrer einmal in Anlehnung an das Fitzelchen definiert) genauso wie auf gut ausgebauten Kreisstraßen; die Bundesstraßen durchs Bergische Land habe ich gemieden, dort ist mir zuviel Maut-Ausweichverkehr. Auf der Autobahn führe es sich natürlich auch supergut mit dem neuen Fahrwerk des Mustang, aber eben nur, wenn sie einigermaßen leer ist und man die Kurven der von Olpe nach Köln führenden A4 ( der europäischen E40, die kurz vor der Krombacher Brauerei im Nirgendwo landet und als Bundessträßchen gen Osteuroap führt) so richtig ausfahren könnte. Kann man aber nicht mit dem Mustang, der in der zivileren Version auch schon über 200 km/h schnell ist und im Brutalo-GT eben bei 230 abriegelt. Könnte man aber bedenkenlos, auch mit dem 5-Liter-Motor, wenn er nicht abgeriegelt wäre, das Fahrwerk würde ebenso bedenkenlos noch ein paar Schaufeln km/h vertragen.

Also ging’s wedeln über die leeren Landstraßen des Bergischen Landes. Da macht das Anzugsvermögen des GT besonders Spaß. Auch wenn der Biturbo des 2,3-Liter Ecoboosters dem nicht wesentlich nachsteht. Aber der Ton macht‘s halt. In diesem Falle nicht der gute, sondern eher der laute, böse. So macht Mustang Spaß.

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Foto: Klempp

Bleibt noch zu erwähnen, daß Ford Deutschland für dieses Jahr ein Kontingent von 3.000 Mustangs reserviert hat. Bestellt sind schon über 3.400, davon 80 Prozent als 5.0l-GT. Wäre ich doch auch dabei…                             mpp

Technische Daten dann im ausführlicheren Bericht nach ein paar Tagen Mustang-Erlebnis.

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Foto: Klempp

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