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Der Löwe brüllt: Peugeot 308 GTI

Der Peugeot 308 GTI schlicht wie sein Basismodell, farbig auffällig aufgepeppt: da will sich auf der Autobahn manch beflügelter Pseudorennfahrer mal auf Augenhöhe abkämpfen. Aber keine Bange, ein wenig Gas und der 308 GTI ist weg. Beschleunigung auch in höheren Drehzahlbereichen, wie sie eben dem Basismodell für den neuen Peugeot Racing Cup sein soll. Auch auf der Rundstrecke ist ein Motor ohne Drehmoment über breite Drehzahlbereiche heute nicht mehr denkbar. Schluss ist’s schon lange mit den auf Drehzahlspitzen ausgelegten Gängen, geschaltet wird zumeist mit einem Doppelkupplungs- oder einem sequentiellen Getriebe mit Schaltwippen am Lenkrad wie z.B. beim Racing Cuo-Modell des 308 GTI, das ab Ende des Jahres in der einigen europäischen Rundstreckenmeisterschaften eingesetzt werden kann. Der Test-GTI war noch mit dem standardmäßig von Peugeot genutzten Sechsgang-Handschalter ausgestattet, was aber auch auf unwegsamen Strecken schnell geschaltet werden kann. Wobei es da ja zunächst erst mal gilt, alles Drehmoment einzusetzen, was vorhanden ist, nicht die Topspeed. Und beim Drehmoment und der blitzartigen ansprechenden Gasannahme hat der GTI der Löwen seine unverkennbaren Vorteile, gleich, ob in der Serien- oder der kommenden racingCup-Version.

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Foto: Peugeot

Erkennbar sind die Gene des Rallye-Simcas, der in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts  a) nicht nur bei Rallyes, sondern auch auf der Rundstrecke erfolgreich war, dessen 1000-ccm-Motortechnik dann auf den 1100er übertragen wurde, der dann b) immer noch als Vorvorgänger des Simca, später Chrysler, dann Talbot  Horizons und damit des 309er-Peugeots Basis war. Diese Gene sind im 308 GTI nun tatsächlich wieder erkennbar… (Wobei der Nachfolger des Horizons, zu meiner Talbot-Zeit entworfen, furchtbar häßlich und für Peugeot gar nicht zeitgemäß auf dem Papier stand. War er dann ja auch, wie die Fachpresse auf dem Pariser Salon 1985 während des 309-Debüts feststellte. Mit wenig Euphorie, denn damals schon begann die Zeit, in der das Autodesign modernen Design-Richtlinien folgen sollte).

Heute ist denn die aktuelle Generation 308 ein ausgesprochen modernes und sehr angenehm zu fahrendes Peugeot-Modell des Golf-Segments. Das gilt auch für den GTI, der trotz aller Fahrwerkshärte und sparsam gepolsterten Sportsitzen Steiß und Bandscheiben nicht allzusehr ermüdend strapaziert (sonst würde das auch kein Sportfahrer durchhalten… - ich weiß sowieso nicht, wie die in Ruhestandszeiten und mit wahrscheinlich nur noch platt gedrückten Bandscheiben zurechtkommen). Damit ist der Peugeot GTI durchaus ebenbürtig zum VW Golf GTI, wenn nicht sogar überlegen. Ebenso kann auch der Seat Leon (auch ein Löwe) 280 zwar leistungsmäßig mithalten mit dem Peugeot GTI-Löwen, nicht aber was den Komfort für den normal sterblichen GTI-Liebhaber anbetrifft. Dabei wäre in beiden ein Doppelkupplungsgetriebe deutlich angenehmer als die Stockschaltung, wie auch schon Koryphäen des Straßensports immer wieder betonen („… du kannst mit der Handschaltung nie so schnell sein wie mit der Doppelkupplungsautomatik“, sagt z.B. Walter Röhrl).

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Foto: Peugeot

Trotzdem ist der 308GTI-Löwe ein ernst zu nehmender Konkurrent des Stückzahl-Champions und GTI-Urvaters aus Wolfsburg. Immerhin verbrauchte der aktuelle 1,6 THP trotz meiner manchmal sehr anspruchsvollen (sprich zügigen) Fahrweise im Schnitt doch nur 5,8 Liter, was mir bei einem GTI oder vergleichbarem Hochleistungsmotor aus dem VW-Konzern (egal, in welcher Karosse oder Marke) noch nicht gelungen ist. Der Verbrauch ist jedoch eines der wenigen herausragenden Auffälligkeiten des 308SW, der ansonsten schlicht, ja beinahe in Bauhaus-Manier, des Weges kommt. Drum haben die Peugeot Marketinger das Auto ja zweifarbig lackiert. Und zwar nicht in der Unterteilung Karosserie/Dach, sondern in diagonaler Teilung vorne/hinten. Da hat sich während des Gebrauchs des 308 GTI so mancher Kraftmeier in Fahrzeugen der gesamten internationalen Konkurrenz auf Autobahnen oft an meine Seite gequält, um zu gucken, was für ein Sonderling diesen Löwen steuert. Und dann Bauklötzchen gestaunt, als sich der Peugeot 308 GTI dank eines kurzen Gasstoßes blitzartig aus dem Staub machte.

Diese diebische Freude allerdings hat auch seine Schattenseiten. Zunächst ist die gefühlte Geschwindigkeit immer um Lichtjahre schneller als die gefahrene. Das erfordert peinlich genaue Kontrolle des Tachos, sonst rauscht man permanent in Radarfallen. Aber überstanden! Jedoch nicht nur das bei der Geschwindigkeit wird das Popogefühl gefordert, auch in Kurven und bei Bergauf- und Bergab-Fahrten. Bergauf und in Kurven geht’s spielerisch, 272 PS sind eben nicht von Pappe, genausowenig wie ein Fahrwerk, das sich seine Anleihen aus dem Gokart-Bau holt. Tatsächlich scheint die Kooperation zwischen Peugeot und BMW nicht schon bei den Motoren aufzuhören (was wohl Ende 2016 endgültig der Fall sein wird), der Peugeot 308 GTI fühlt sich auch bei schneller Kurvenfahrt an wie ein geschmeidigerer Bruder des Mini.

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Foto: Peugeot

Natürlich verdankt der französische GTI seine explosive Leistungsentfaltung nicht nur den Motorentechnikern, sondern auch den Karosserie- und Fahrwerksingenieuren, die Leichtbau und IE-konstruierte Tragelemente sowie Achsen konsequent zur Gewichtsreduzierung nutzten.

Ansonsten gilt, was ich bereits beim standardmäßigen 308 SW, also dem Kombi der Baureihe festgestellt habe: Selten begegnet man einem solchen dezent gezeichneten Fahrzeug, das einen trotz allem ausgesprochen elegant und anmutig anspricht. Dabei sind alle wichtigen Funktionen eines modernen Autos erfüllt: gute Sicht und gute Sichtbarkeit, funktionelle Anordnung von Licht und Blinker, wieder „form follows function“.  Innen haptisch und ergonomisch genauso schlicht schön, aber zweck-mäßig. Man steigt ein, fühlt sich wohl und glaubt, schon oft in diesem Auto gesessen zu haben. Alles ist da, wo man es vermutet oder erwartet, alles fühlt sich vertraut an und sitzen tut man auch noch gut. Auch bei topspeed und auch mit über 270 PS unter der Haube.

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Foto: Peugeot

So wurde aus dem 308 GTI ein wahrlich ernsthafter Konkurrent der GTI’s und –Derivate aus dem VW-Konzern; von Audi über Seat und Skoda bis zum UR-GTI aus WOB, auch wenn dieser nach Aussagen der Simca-Senioren ja 309-Vorgänger-Gene in sich hat. Aber wie auch bei den deutschen Konkurrenten hat Hochleistung auch hier seinen Preis. Für den Basis 308 GTI Sport THP 270  braucht man knapp 35.000 Euro, für ein paar wichtige Zusatzaustattungen nochmal kanpp einen Tausender und für die auffällige „Coupe franche“-Lackierung nochmals achtzehnhunter.

mpp
 

Die wichtigsten Daten des Peugeot 308 GTI Sport THP 270:

  • Länge/Breite/Höhe in mm 4.253/ 2.043 (mit Spiegeln)/ 1.446 Radstand 2.617 mm
  • Leergewicht 1.395 kg
  • Zuladung 395 kg
  • Kofferraumvolumen 420 – 1228 l (VDA-Norm)
  • Reihen-Vierzylindern mit Direkteinspritzung bei 200 bar
  • Sechsganggetriebe
  • Hubraum 1.598 Kubikzentimeter
  • Leistung kW/PS 200/272 bei 6.000 U/min,
  • maximales Drehmoment 330 Nm bei 1.900 U/min
  • Beschleunigung 0 – 100 km/h in 6,0sec
  • Vmax 250 km/h
  • EU-Normverbrauch im Mittel 6,0, Testverbrauch 7,2 l
  • Tankinhalt 52,5 l
  • Abgasnorm Euro 6
  • CO2 Ausstoß: 139 g/km, Energieeffizienzklasse C

Grundpreis 34.980 €; Testwagen mit Mehrausstattung: 37.820 €

Stand 02/2016

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