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Der Cabrio-Sommer 2017, Teil II: David gegen Goliath

Zwei 500er, die wirklich keine Konkurrenten sind – Fiat Cinquecento Abarth Cabrio und Mercedes 500 Cabrio

Noch die letzten Tage des Sommers 2017 ausgenutzt. Zuerst mit dem Cinquecento Abarth Cabrio mit seinem lustigen Schiebeklappfaltdach, das schon so ähnlich seine Vorrorvorgänger hatten, die damals noch Fiat 500 C hießen. Der kam noch in richtig heißen Tagen, an denen man noch die frische Luft von allen Seiten brauchen konnte.

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Foto: Fiat

Dann der 500 Cabrio von Mercedes, in edlem Design, vollendeter Ausstattung und genauso vollendetem Finish mit edelsten Materialien in genauso edler Verarbeitung. Er fuhr mit mir an nicht so heißen Tagen durch Stadt und Land, bevorzugt Land mit kurvigen, oft aber nicht besonders elegant instand gehaltenen echten „Land“-Straßen.

Während der Cinquecento brutal im Nehmen war, von einem Schlagloch ins andere fiel und Pflasterausbesserungen eher als Sprungschanzen den als Straßenflickerei abtat, rührte all solches Ungemach den S500 mit dem Stern überhaupt nicht. Souverän schluckte er Unebenheiten, bügelte Schlaglöcher und Asphaltschwellen über frisch verlegten Rohrleitungen einfach weg. Und als ob er es dem Edel-Cabrio ange-sehen hat, fragte mich der Chef meines Gusto-italiano-Delikatessenladens auf dem Parkplatz schlicht: „Ist das jetzt schon ein Schiff oder noch ein Auto?“ Tatsächlich sieht das Mercedes 500 Cabrio einem schnellen Powerboot von Carlos Riva vom italienischen Iseo-See viel ähnlicher als der zu seinen Ehren ausgestattete und nach  seinen Namen in Abarth-Manier benannte Cinquecento Cabrio „Riva“-le. Wobei im Verhältnis zum Sternen-Cabrio das Rivale wirklich wahrscheinlich als schwäbische Verkleinerungsform einer Riva-Yacht gemeint ist. Und der bestimmt weltberühmte Motorentüftler Carlo Abarth für Fiat einen ähnlichen Klang hat wie Burkhard Bovensiepen bei BMW und natürlich Hans-Werner Aufrecht aus Groß Aspach und wenige Jahre danach dann Affalterbach als einer der beiden AMG-Gründer. Allen dreien war und ist noch bis heute der Hang zur Perfektion und Höchstleistung das Maß ihrer Bemühungen, aus Serienautos Hochleistungsmaschinen zu zaubern.

Wobei das sehr wohl auf den Cinquecento zutrifft, mit dessen Vorvorvorgänger Der Tuner seine ersten Erfolge Ende der 60er-/Anfang der 70er-Jahre erzielte und schon sehr früh mit der Teileproduktion für getunte Fiat 500 C begann und erfolgreich war. Erkennbar waren diese 500er an der hinten steil gestellten und nicht mehr oben, sondern unten angeschlagenen Heckklappe, die nur so geöffnet den Kühl-Luftbedarf des getunten Zwei-Zylinders stillen konnte.

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Foto: Daimler

Heute nach Jahrzehnten des unaufhaltsamen Entwicklungsfortschrittes bei der Motorentechnik lächeln die Motor-Ingenieure über die Kunststücke ihrer Ahnen in den Tuner-Stammbäumen. Brauchen sie heute doch eher Computer und höchstpräzise arbeitende NC-Maschinen, um so mit dem Motormanagement Leistungssteigerungen zu erzielen.

Das hat das 500er-Cabrio von Mercedes nicht nötig, in dieser Klasse stellt der Hersteller immer ausreichend Leistung zu Verfügung. Insofern ist das große Mercedes-Cabrio erhaben über die Hüpfer und Stolperer des kleinen Abarth, der sich ganz schön anstrengen muß, um lautstark seine Leistung von 160 PS zu zeigen. Während der Mercedes eher schlicht murmelnd und elegant dahingleitend seine Arbeit verrichtet.

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Foto: Fiat

Egal, der kleine ungestüme Abarth hat sowohl in seiner 695er-Ausführung (auch eine Reminiszenz an Abarth, war sein erfolgreichstes Auto doch ein Fiat 600, aufgebohrt auf 695 ccm Hubraum und fast viermal soviel Leistung wie damals der Nuove 500 bieten konnte), als auch als Riva-le den ungemeinen Spaß eines Underdogs der Straße gemacht, vor dem Kenner des Scorpiones, dem Markenzeichen der Abarths den Hut ziehen und den Gasfuß lupfen.

Und genauso Freude kam auf im S 500 Cabrio aus Stuttgarter Haus, an dessen Souveränität und Eleganz, an sein Leistungsüberfluss und sein Höchstmaß an Sicherheitsgefühl man sich gerne gewöhnen will. Und der selbst bei kühlerem Wind des einsetzendes Herbstes den Kopf und vor allem den Nacken von Fahrer und Beifahrer warm und Steifheitsfrei hält, wie es die mobilen Rennkugeln aus dem Haus des Scorpions nicht können.

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Foto: Mercedes

Die Preise

Fiat Cinquecento 595 Abarth turismo Cabrio / Rivale Cabriolet: 121 kW/165 PS, Verbrauch 6,2 – 5,8 l/100 km kombiniert (Werksangabe), Testverbrauch 6,9 l/100 km, Grundpreis des Testwagens 25.090 € /Grundpreis des Rivale ab 28.000 €

Mercedes-Benz S 500 Cabriolet: 335 kW/455PS, V8-Motor, Verbrauch 9,1 – 8,5 l/100 km kombiniert (Werksangabe), Testverbrauch 13,8 l/100 km, Grundpreis des Testwagens 125.000 €

Stand 10/2017

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