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Auf leisen So(u)hlen: Kia Soul EV – elektrisch sparsam

Ich erinnere noch „die Elektrische“, wenn sie durch Feuerbach ratterte und stetig bimmelte. Ohne das Rattern hätte man nämlich nichts von ihr gehört, also war das Bimmeln Pflicht. Besonders in Stuttgart, wo es auch mal glatte Bergabstrecken gab, die nicht ratterten. Oder an die Gepäckwagen auf dem Stuttgarter Bahnhof, die unförmig dort rumfuhren, nein gefahren wurden vom Gepäckträger, der das Gefährt vorne stehend steuerte. Links an einem langen Hebel Gas, nein Strom, gab und rechts nach oben ziehend nach links und nach unten drückend nach rechts lenkte.

Davon ist der Soul EV jedoch meilenweit entfernt und sieht aus wie ein richtiges Auto und fährt auch so. Bis auf eines: Das Bimmeln wurde durch einen sachten sonoren Ton ersetzt, der ankündigt, dass da was kommt.

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Foto: Klempp

Tatsächlich ist der Kia Soul EV eine echte Alternative für den, der das Auto nur im Stadtverkehr braucht oder täglich um die 30 km einfache Strecke pendeln muß. Wobei er da sogar noch ordentlich Luft hat, um zwischendurch oder danach nochmal zum Supermarkt im nächsten Ort fahren zu können. 110 km standen bei mir nach jedem Ladezyklus als Reichweite auf der Ladeanzeige, die gleichzeitig anstelle des Drehzahlmessers die Entladestrapaze des Souls je nach Fahrweise darstellt. Das ist ziemlich praktisch, zeigt sie doch den Eco-mode an, in dem sparsam gefahren wird, meldet auch, wenn unökonomisch zuviel Strom freigesetzt wird, aber auch die Rekuperation übers Bremsen oder nur die – totale – Freigabe des Gaspe-dals. Wobei „Gaspedal“ sicher der falscheste, weil überholte Ausdruck ist. Sicher wäre „Strompotentiometer“ besser, aber umständlich. Also der Leistungsdrücker“?

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Foto: Klempp

Leistung ist nämlich sofort da, wenn man auf dieses Pedal tritt. Kein Kaltstart stört, kein Choke ist erforderlich, die Leistung steht einfach zur Verfügung, ohne Verzögerung, konstant, permanent. So könnte man den Soul EV von 0 auf 100 hochreißen und der Elektromotor würde das gar nicht übel nehmen. Er gibt halt alle Kraft frei, die er als Leistung in der Batterie hat. Also heißt es, vernünftig umgehen mit dieser Batteriereserve, sorgt sie jedoch abhängig vom Gebrauch dieses besagten Pedals für die Reichweite des Fahrzeuges. Ganz dieser Devise entsprechend hat der Soul EV im DIN-Vebrauchstest natürlich auch eine deutlich größere Reichweite als in echt. Fährt man im EU-Zyklus doch nur sachte und mit konstanter Drehzahl. Und kommt dabei auf über 200 km Reichweite für den Kia, also doppelt so viel wie im Normalge-brauch zu erwarten ist. Dennoch ist der Kia verbrauchssparsam: 100 km Strecke haben bei mir 18 Kwh verbraucht, das entspricht einem Geldwert von 4,32 €. Mit 4,32 € bekommt man derzeit grade mal 3,5 l Diesel und das reicht ohne Hybridantrieb bestenfalls für 70 km bei 1600 oder 1800-Motor. Das ist ein großer Pluspunkt für den Kia Soul EV, dem jedoch so-gleich das deftigste Minus folgt: Der Ladevorgang beansprucht rund 5,5 Stunden über die Haushaltssteckdose, rund 30 Minuten über die Hochstrom-Ladestation. Die aber steht weder fest installiert zuhause noch an jeder Ecke an den Straßen wie Benzin- und Dieseltankstellen.

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Foto: Klempp

Das heißt bei einer Haushaltssteckdose, wie sie ja in – fast – jeder Garage zu finden ist, muss der Pendler bei ber 40 km einfacher Strecke zum Einkaufen erst mal ein paar Stunden nachladen. Also muss ein zweiter elektrischer her, eine Ladestation oder einfach ein Supermarkt in der Nähe sein, der bis zehn Uhr abends auf hat. Dann langt’s für die Zwischenladung ab Feierabend bis zum Einkaufen. Eines nämlich wird immer zu hoch bewertet: die Rekuperation. Motor- oder Fuß-bremse können nie so viel Strom zurückgewinnen, dass sie eine Fremdladung über die Steckdose – egal welche – ersetzen.

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Foto: Klempp

Trotzdem ist der Soul EV, der ausser bei den Felgen und der Blende für die Ladesteckdosen vorn in der Schnauze von aus-sen und im Innenraum dem Benzin-Soul weitestgehend gleicht, für den umweltbewußten – und betuchten Städter eine Alternative. Wenn er rund 6 - 8.000 Euro mehr nur für diese Alternative übrig hat.

mpp

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Foto: Klempp

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