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Audi Q7: Spaceglider next generation

Durchs Weltall fliegt der Q7 noch nicht, obwohl man es ihm zutrauen könnte. Aber Raum genug ist auch noch in der zweiten, neumodisch downgesizt genannten, etwas dezenter gehaltenen Version des Über-SUVs von Audi. Fünf bequeme Einzelsitze, dahinter fast zwei Kubikmeter Laderaum von einer Basisgröße, auf die man eine Europalette stellen könnte. Und Leistung für die Fortbewegung gibt es mehr als genug. Sowohl im 3,0-Liter-Diesel mit 272 PS und 600 Nm Drehmoment (wo bleibt die Luft beim Anfahren?) als auch im fast gleich großen Benzinmotor mit 333 PS und 440 Nm Drehmoment, den ich gefahren habe.

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Foto: Audi

Dafür ist serienmäßig alles drin im großen SUV, was man heutzutage für die komfortable Fortbewegung braucht: elektronischer Spurhalt, automatische Notbremse, Tempomat und Geschwindigkeitsbegrenzer, Abstandshalter zum Vordermann und gleichzeitig automatische Geschwindigkeitsregelung bei Tempobegrenzungen, was will man mehr. Besonders der Tempobegrenzer mit eingebautem Blick auf die Temposchilder ist lobenswert. Endlich passt da jemand auf, dass die Tempoknöllchen reduziert werden. Das funktioniert über ein System, das schon längst möglich und gefordert ist, aber bisher noch nie realisiert wurde. Ein Fotosensor erfaßt das Temposchild und gibt die Information weiter ans Motormanagement, das erst mal die Drehzahl reduziert, also mit dem Motor abbremst und damit die Geschwindigkeit aufs erkannte Maß absenkt. Das geschieht nicht abrupt, aber bestimmt. Und wenn das Aufhebungsschild oder ein neues Tempo kommt, reguliert das System wieder von selbst die Geschwindigkeit je nach Anforderung. Über die Taste am Lenkradhebel kann der Fahrer die maximal zu fahrende Geschwindigkeit einstellen. Und dann gibt’s da noch im lobenswerten headup-Display den grünen Schuh. Der taucht auf, lange bevor eine Geschwindigkeitsbegrenzung angezeigt wird. Will heißen: Fahrer, nimm den Fuß vom Gas, dann erreichen wir die vorgeschriebene Geschwindigkeit im Segelmodus, also ohne Spritverbrauch. Schon alleine diese beiden Features sind sooo lobenswert. Kommt noch die Stop-Start-Automatik hinzu, die nochmal hilft, Herrn Schäuble ein Schnippchen zu schlagen und den Geldbeutel zu schonen. Allerdings arbeitet die oft zu voreilig, so dass schon hin und wieder vor einer Ampel das Ausrollen mit einem Nasenstüber endet.

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Foto: Audi

Dann gibt’s noch eine Komfortregelung, einstellbar von „comfort“ über normal bis auf „sport“. Das regelt die Motordynamik und das Fahrwerk. Bei „comfort“ wird dabei die Luftfederung so eingestellt, dass kaum ein normaler Straßenhuppel noch zu spüren ist; die Motordynamik allerdings scheint mir schon im Normalzustand mehr als genügend dynamisch zu sein, so dass der „sport“-modus kaum gebraucht wird, was sich wiederum wohltuend auf den Verbrauch auswirkt. Dabei war der gar nicht so dramatisch, wie von der ehemals wuchtigen Vorgängerversion immer behauptet wurde. Zwar habe ich die 7,7 l Durchschnittsverbrauch laut Werksangabe nicht erreicht, aber auch deutlich unter zehn Liter sind für einen SUV der Größe des Q7 und der Leistung des Motors immer noch durchaus akzeptabel. Wer weniger verbrauchen will, muss persönlich Modell-downsizen oder auf den Q6 mit seinem Elektroantrieb warten…

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Foto: Audi

Bleibt noch, über das moderne Sicht- und Navisystem zu reden: Zunächst die nächtliche Fernsicht. Mit dem Abblendautomaten kann bei jedem Verkehr mit optimaler Sicht gefahren werden, der Q7 blendet bei offenem Fernlicht einfach den Gegenverkehr aus. Und siehe da, keinerlei Reaktionen des Gegenverkehrs signalisierten, dass das blaue Lämpchen an den Armaturen noch an war. Zuschaltbar war zudem noch die phänomenale Nachtsichtkamera, die auf dem Display zwischen Drehzahlmesser und Tacho stets weit vorausschauend Verkehr, Personen oder ggf. querendes Wild anzeigt. Dass dann noch ein Navisystem mit Google-onlineconnection hinzukommt, mit dem Google Earth auf den Schirm gespielt wird, erscheint nur auf den ersten Blick spielerisch; in Städten jedoch findet man sich mit dieser Ansicht wesentlich besser zurecht. Und erstaunlicherweise sieht man auch auf dem Bildschirm, wie sich zum Beispiel die Transportwege in einem Steinbruch auf die Sohle hinunterwinden. Das sollte sich jedoch nur der Beifahrer genau angucken.

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Foto: Audi

Die Inneneinrichtung des Q7 ist Audi-gemäß fein und gediegen, mit Leder sowie Holz-, Klavierlack- und Metall-Applikationen; elektrische Sitze mit Heizung und Lüftung vorne sind ebenso vorhanden wie eine Frontscheibenheizung (die Heckscheibenheizung ist ja – Ford sei’s gedankt – seit vielen Jahren fast überall serienmäßig), und die Außenspiegelheizung. Fehlt nur, ist aber sicher als Ausstattungsdetail dazu bestellbar, die Lenkradheizung, die bei kalten Laternengaragen-Nächten das Leder unter den Händen anwärmt. Wobei ein Blick auf die Ausstattungs- und Zubehör-Liste durchaus lohnenswert, allerdings auch sehr preistreibend ist. Was den Q7-Kunden jedoch wohl weniger stören wird.

mpp

Die wichtigsten Daten des Audi Q7 SUV 3.0 TFSI quattro

  • Länge/Breite/Höhe :  5052 / 1968* / 1741 mm je nach Luftfedereinstellung *ohne Außenspiegel
  • Radstand  2.994 mm
  • Leergewicht 1.970 kg
  • Zuladung 770 kg
  • Kofferraum  890 - 2075 l
  • V6 TFSI mit 8-Gang-tiptronic-Getriebe und DSP, Stop-Start-System
  • Hubraum  2.995 ccm
  • Leistung kW/PS 245/333 bei 3.900 – 4.600 U/min,
  • maximales Drehmoment  440 Nm bei 2.900 – 5.300 U/min
  • Beschleunigung auf 100 km/h  6,1 Sekunden
  • Vmax 250 km/h (abgeregelt)
  • EU-Normverbrauch im Mittel 7,7 l , Testverbrauch 9,6 l
  • Tankinhalt 85 l,
  • Abgasnorm Euro 6,
  • CO2 Ausstoß: 189 g/km

Preis der Basis-Ausführung des Testwagens:  62.900 Euro
Preis der sonderausgestatteten TW-Ausführung: ca. 101.500 Euro

Stand 02/2016

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