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Alfa Romeo Giulia Quadrifoglio: Des Teufels junge Braut

Jedem alteingeschworenen Alfista geht das Herz auf, wenn er hört oder sieht: Die Giulia ist wieder da. Was war das doch für ein schö-nes Mittelklasse-Auto der sechziger und siebzi-ger (wobei der 1750 damals schon ein wenig von der elegant extrovertierten Linie der Giulia Super abwich und ein glattes Heck zeigte, nicht das eigenwillig zerklüftete der Super). Die neue Giulia alledings ist wirklich glatter als die alte; mit dem einprägsamen Gesicht einer zornigen Hornisse und einen glatten Heck, bei der Quadrifolgio mit Spoiler oben und je zwei Auspuffendrohren links und rechts am Spoiler unten am Heck. Ganz besonders attraktiv ist diese Sportlimousine jedoch nicht allein wegen ihres Aussehens, mit dem sie jeden 3er-BMW wegsteckt. Sondern wegen des 510-PS-Motors, der die Qudadrifoglio zu einer gern gesehenen Konkurrenz des M3 macht und sich jederzeit auch gerne mit der Motorisierung der Alpina-3er vergleichen läßt.

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Foto: Alfa Romeo

Was für ein Antritt, was für ein Sound in der geschalteten Supergiulia. Wie die Bremsen zupacken dort auf dem Sportfluglatz in Michelstadt im Odenwald, wo ich diese einmalige Symbiose eines Alfa mit einem von Ferrari belebten Motor fahren durfte. Auf abgesperrtem Rundkurs, leider viel zu kurz und immer nur rechts rum hatten zwei Journalisten-Kollegen und ich die Gelegenheit, dieses teuflische neue Gefährt aus dem FiatChrysler-Konzern zu fahren. Sagenhafte Beschleunigung, die Gerade auf dem Flugplatz reicht nicht aus, um die Giulia auf Topspeed zu bringen, kurz vorm Ende zeigten die Bremsen ihren Biß Marke Brembo und in der Kehre machte sich ein wenig das in den siebziger und achtziger Jahren so gern gesehene Röhrlsche Powersliding bemerkbar. Problemlos jedoch, weil es sich mit nur millimeterweisem Lupfen des Gasfußes regulieren ließ, und gleichzeitig ermutigend, es nochmal zu probieren. Ging noch besser, jetzt wedeltete die Giulia aus der Kurve am Ende des Rundkurses, der – der Runway-Anordnung gezollt – eher ein rechteckiger war.

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Foto: Alfa Romeo

Und dann fuhren meine beiden Kollegen und ich geführt von zwei Instruktoren zwei Runden zum Eingewöhnen, bis der Instruktor Mayländer-gemäß die Strecke frei gab und 1530 italienische Heißblütler auf die Strecke tobten. Jetzt waren Konzentration, Erkennung des Bremspunktes und exaktes Schalten gefordert, der Spaß blieb aber dennoch nicht aus. Und der Sieger dieses Rundstreckenlaufes hieß eindeutig: Alfa Romeo Giulia Qudadrifoglio, der Teufels neue, junge Braut.

mpp

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Foto: Alfa Romeo

Alfa Romeo Giulia Super Diesel 2,2 180 PS

Man muß sich schon daran gewöhnen, mit einem Dieselmotor unter der Haube der Giulia spazierenzufahren. Aber erwartungsgemäß harmoniert das erstaunlich gut miteinander. Hatten doch schon die Giulia-Motoren des nun über fünfzig Jahre alten Vorgängermodells und seiner bis in die siebziger Jahre reichenden Folgemodelle Motoren richtig langhubige 1.600-ccm-Motoren und ein für damalige Zeiten schier endlos reichendes Drehmoment zwischen 1.400 und 4.000 U/min fast konstant irgendwo bei 135 Nm, was die Elastizität dieses Motores legendär machte. Und stark war das Ding ja schon damals mit knapp über 100 PS.

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Foto: Alfa Romeo

Heute fühlt sich der 2,2-Liter-Dieselmotor ebenso elastisch und geschmeidig an, kann schaltfaul gefahren werden, ohne daß die Giulia in den Kängeruhsprint verfällt, aber auch säääähhhhrrr sportlich mit Ziwchengas rauf und runter und eben viel Gewicht auf dem Gaspedal. Dann brummt der Diesel aus seinen endrohren wie ein kleiner Ferrari, bellt mit Zwischengas ordentlich nach hinten und prescht nach vorne mit erstaulicher Vehemenz. Typisch Alfa. Würden die jungen Marketing-Fachleute der Autobranche sagen, obwohl sie ja gar keine echten typischen Alfas gefahren sind. Außer dem Fiat-Pressechef, der sich noch sehr wohl und sehnsüchtig an die Giulia der 70er-Jahre erinnern kann. Auf einer einstündigen Rundfahrt durch de odenwald rund um den Michelstädter Sportflugplatz hatten wir Gelegenheit, die neue Giulia zu fahren, sprinten zu lassen, einzubremsen, auf langen Geraden dem satten Klang des Motors und des Aufpuffs zuzuhören und in den engen Serpentinen (jawohl, die gibt’s, denke man nur an die legendären Bergrennstrecken Krähberg und Zotzenbach) dem Gebell des Zwischengases. Auch mit dem 2,2-Liter-Dieelmotor macht die Giulia rechtschaffen Spaß und hat durchaus das Zeug, am Kuchen der Dreier-BMW-Torte ein ordentliches Stück wegzubeißen.

mpp

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